Die Entstehung des Harzes und seine Wanderung über den Äquator in das heutige Mitteleuropa.

Der Harz erlebt die erdgeschichtliche Entwicklung und seine Entstehung durch die Wanderung und dem Zusammenfügen der Erdplatten. 500 Millionen Jahre erdgeschichtliche Entwicklung mit einer Wanderung über den halben Erdball bis zu dem heutigen Standort. Diese Entwicklung spiegelt sich teiweise in dem kleinen Gebirgsrücken der "Langen Wand" wieder. Gesteinsbildungen mit Erz- und Mineralienbildung, Störungen und Überschiebungen, all diese ist hier sichtbar vohanden.

Die Geologie der „Langen Wand“

An der „Langen Wand“ wird dem Besucher eine vielschichtige und interessante Geologie geboten. Neben über 250 Millionen Jahre alten Gesteinen können interessante geologische Strukturen, die die Anreicherung von Kupfer, Kobalt, Blei und Zink in den Gesteinen verdeutlichen; hautnah angefasst und begutachtet werden.

 

Die unterste Gesteinseinheit bildet der „Ilfelder-Porphyrit“. Hierbei handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, das zur Zeit des Rotliegende, also vor etwa 270 bis 280 Millionen Jahren, aus einem Vulkanschlot ausgetreten und erkaltet ist. Durch verschiedene Verwitterungsvorgänge ist das Gestein heute zum Teil als zusammengepresster Grus, aber auch noch in seiner originalen Festigkeit in der „Langen Wand“ zu finden. Darauf abgelagert wurde vor etwa 270 Millionen Jahren, ebenfalls zur Zeit des Rotliegenden, konglomeratische Gesteine sowie Sandsteine. Sie entstanden aus dem Abtragungsschutt des Varistischen Gebirges in dessen Vorland, welches sich ähnlich den Alpen heute, zu dieser Zeit quer durch Europa zog. Im Harz selbst können auch heute noch Gesteine dieses ehemaligen Gebirges gefunden werden.

 

Vor etwa 250 Millionen Jahren zur Zeit des Zechsteins kam es von Norden her zur Überflutung des Vorlandbeckens des Varistischen Gebirges. Es entstand ein riesiges Meer dessen Frischwasserzufuhr zum Teil so stark eingeengt war, dass sich an dessen Grund zahlreiches organisches Material, überwiegend aus abgestorbenen Lebewesen des Meeres, anreicherte, ähnlich wie im heutigen Schwarzen Meer. In diesem „Faulschlamm“ kam es zu einer ersten Anreicherung von Metallen. Heute werden diese Ablagerungen durch den Kupferschiefer repräsentiert, einem aufgrund seiner dunklen Farbe auch als Schwarzschiefer bezeichnetem Gestein. Durch zunehmende Frischwasserzufuhr von Norden her  änderten sich die abgelagerten Gesteinen zunehmend. Da zu dieser Zeit ein sehr heißes Klima im Ablagerungsraum herrschte, kam es zur Abscheidung von Kalziumkarbonat, es bildeten sich Karbonatgesteine, die in der Langen Wand durch den Zechsteinkalk repräsentiert werden. Durch weitere Verdunstung des Wassers aus dem Meer kommt es im weiteren Verlauf des Zechsteins wurden riesige Mengen an Salz aus dem Meerwasser abgeschieden und es entstanden die riesigen Salzlagerstätten wie sie heute in Norddeutschland zu finden sind. In der Langen Wand bildet der Zechsteinkalk das oberste Gestein.

 

Die Mineralisation in den Gesteinen der Langen Wand zeigt Hinweise auf mehrere Ereignisse. So ist z.B. eine erste Anreicherung von Kupfer, Blei und Zink schon während der Sedimentation des Schwarzschiefers entstanden. Im Zuge der Verfestigung, Diagenese genannt, der Gesteinseinheiten kam es zur Umlagerung der schon vorhandenen Erzminerale und einer ersten Erhöhung des Erzmineralanteils vor allem in den unteren Bereichen des Kupferschiefers und den oberen Partien der Sandsteine.

 

Bedeutende Anreicherung an Erzmineralen erfuhren die Gesteine der Langen Wand jedoch wesentlich später. Dabei kam es im Zuge tektonischer Ereignisse zur Bildung großer Störungen, die die Gesteine der Langen Wand durchziehen. Sie wurden durch erzbringende Lösungen verfüllt, wobei sich neben Baryt als Gangart vor allem auch Kobalt- und Kupferminerale bildeten. Bedeutende Erzminerale bilden hierbei Chalkopyrit (Kupferkies), Kobaltin, Tetraedrit und Arsenopyrit.

 

In der Langen Wand sind Kupferreiche Bereiche in den Gesteinen vor allem durch die Bildung sekundärer Minerale, wie z.B. Azurit, Malachit und Erythrin (Kobaltblüte), die durch ihre Farbenvielfalt den besonderen Charme der Langen Wand ausmachen. Weitere geologisch-mineralogische Highlights bilden die vielfach in der Langen Wand zu beobachtenden Versinterungen, die durch die Reaktion des Wassers mit den Gesteinen und ihren Inhaltsstoffen entstanden sind. Hierbei hervorzuheben sind vor allem Mangan- und Eisenoxiden, die in Verbindung mit den einfachen kalzitischen Sintern ein besonders Farbenspiel hervorbringen.

 

Damit stellt die Lange Wand mit all ihren Besonderheiten ein geologisches Kleinod dar und bietet somit einen besonderen Blick in die Bildung Jahrmillionen alter Gesteine und einer ganz besonderen Mineralisation. All diese Besonderheiten können oberhalb der Talsohle, fast ebenerdig besichtigt werden.

 

Das Bergwerk in der Langen Wand bietet weiterhin einen besonderen Charme, da es im Orginalzustand des Jahres 1860, dem Jahr der endgültigen Beendigung des Bergbaus, abgesehen von kleinen Veränderungen, so erhalten geblieben ist und gepflegt wurde.